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Vor 720 Jahren starb Graf Otto v. Nassau. - Während seiner Regierungszeit wurde Herborn zur Stadt

Herborn, 23.04.2009: Im Herborner Stadtwappen stehen zu Seiten des thronenden Stadtheiligen Petrus zwei Figuren in anbetender Haltung. Sie sind durch Andeutung der Namen als die Grafen Walram und Otto v. Nassau gekennzeichnet. Das Wappen geht auf das historische Stadtsiegel zurück. Dessen Gestaltung bezieht sich noch auf die gemeinsame Regierung der Grafen Walram und Otto bis 1255. Es dürfte daher bald nach der Stadterhebung von 1251 angefertigt worden sein. Während der gemeinsamen Regierungszeit von Walram und Otto erhielten die Grafen vom römisch-deutschen König Wilhelm die Stadtrechte für Herborn und wurde hier ein Zoll erwähnt.


Während der alleinigen Zuständigkeit Ottos für Herborn, 1255-1289, erfolgte der Aufstieg des historischen Vorortes der Herborner Mark zur Stadt. Der Graf setzte hier einen Münzmeister ein, der auch Mitglied von Schöffengericht bzw. Rat wurde. Ein als Markthalle anzusprechendes „Kaufhaus“, bald nach Ottos Tod erstmalig erwähnt, wurde wohl noch zu seiner Zeit gebaut, es stand sicher im Zusammenhang mit Markt und Zoll, deren Frequenz die Einsetzung eines Münzmeisters erforderlich gemacht hatte. Aus Ottos Lebenszeit sind schließlich auch die ersten Herborner Bürgermeister in Herborn urkundlich belegt. Herborn wurde damals zur Stadt, vermutlich mit aktiver Förderung des Grafen, der sich von dieser Aufwertung viele Vorteile versprechen konnte.


Für seine Söhne zahlte sich seine Strukturpolitik aus. Als Stadtherr konnte Graf Johann v. Nassau 1323 seinem Bruder Heinrich Anteile an der Steuerleistung Herborns überlassen, um damit Gerichtsrechte in Haiger aufzukaufen. Aus dem Anlass bestätigten Bürgermeister, Schöffen und Bürger Herborns diese Anweisung und hängten das Stadtsiegel neben die Siegel der nassauischen Grafen. 1324 stiftete Graf Johann aus seinem Grundbesitz in der Stadt Herborn eine Jahresrente für das Prämonstratenser Chorfrauenstift Altenberg bei Wetzlar. Daraus sollten eine jährliche Gedenkmesse und ein Licht bei den nassauischen Gräbern in der Kirche für alle Zeiten bezahlt werden. Das von Graf Otto geförderte Herborn half so der Dynastie in der zweiten Generation sowohl ihre Macht zu erweitern, als auch ihr Ansehen im Lande durch die Seelenmessen in einem bedeutenden Stift zu heben.


Die Grabstätte Graf Ottos in Altenberg genoss bei dem Stift lange Zeit hohes Ansehen. Sie wurde jedoch im Zuge von Kirchenrenovierungen vor 1800 zerlegt. Heute ist davon noch eine steinerne Grabfigur aus dem späten 13. Jahrhundert erhalten. Sie zeigt einen vornehmen Herren in Lebensgröße mit Schwert und großem Wappenschild. Die Figur wurde lange einem Grafen v. Solms zugeschrieben, doch ergaben jetzt Untersuchungen des Wappens, dass mit großer Wahrscheinlichkeit ein nassauischer Graf dargestellt ist. Es kann sich dabei nach der Urkundenlage nur um Graf Otto I. v. Nassau, den großen Förderer der Stadt Herborn, handeln.


Bild und Text: Rüdiger Störkel