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Dritte Interprofessionelle Woche stärkt Zusammenarbeit im Gesundheitswesen
Der Lahn-Dill-Kreis informiert: Wie arbeiten Hausärztinnen und Hausärzte, Pflegekräfte und therapeutische Berufsgruppen im Alltag zusammen? Und welche Perspektiven bietet eine ärztliche Tätigkeit im ländlichen Raum? Antworten auf diese Fragen erhielten erneut Medizinstudierende der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen während der dritten Interprofessionellen Woche (IPW) im Lahn-Dill-Kreis. Während der Woche konnten die Studierenden verschiedene Einrichtungen und Gesundheitsberufe in der Region kennenlernen und dabei die medizinische Versorgung vor Ort aus unterschiedlichen Perspektiven erleben.
Die Interprofessionelle Woche ist ein gemeinsames Projekt des Lahn-Dill-Kreises, des Instituts für Hausärztliche Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Arztnetzes für die Region Lahn-Dill (ANR Lahn-Dill e.V.). Ziel ist es, angehende Ärztinnen und Ärzte frühzeitig mit den Besonderheiten der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum vertraut zu machen und zugleich die Bedeutung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Gesundheitsberufe zu vermitteln.
Gesundheitsversorgung aus verschiedenen Perspektiven erleben
Im Mittelpunkt der dritten IPW standen erneut praktische Einblicke in den Versorgungsalltag. Die Studierenden besuchten Hausarztpraxen, Pflegeeinrichtungen sowie therapeutische Einrichtungen und konnten dort die Arbeit verschiedener Berufsgruppen unmittelbar kennenlernen.
Dabei ging es nicht allein um die medizinische Behandlung einzelner Patientinnen und Patienten. Vielmehr wurde deutlich, wie wichtig die Abstimmung zwischen den beteiligten Berufsgruppen ist. Ob bei der Versorgung älterer Menschen, in der hausärztlichen Praxis oder in der Therapie: Gute Kommunikation und kurze Wege können entscheidend dazu beitragen, eine passgenaue und kontinuierliche Versorgung sicherzustellen.
„Ich finde die Interprofessionelle Woche besonders spannend, weil wir nicht nur theoretisch über die verschiedenen Gesundheitsberufe sprechen, sondern direkt vor Ort erleben, wie die Zusammenarbeit funktioniert. Die Einblicke haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, die anderen Berufsgruppen und ihre Perspektiven zu kennen“, berichtet Sebastian Zulauf, Medizinstudent an der JLU.
Einblicke in die Versorgung erhielten die Studierenden unter anderem bei der Lebenshilfe Dillenburg. Antje Rau von der Lebenshilfe betont: „Die IPW schafft Begegnungen und einen direkten Austausch, der für beide Seiten wertvoll ist. Wenn ein Student unsere Arbeit und die Menschen, die wir begleiten, unmittelbar kennenlernt, wird sichtbar, welche Bedürfnisse Menschen mit Unterstützungsbedarf haben und wie ihr Alltag tatsächlich aussieht.“ Ihre Kollegin Katharina Warburg ergänzt: „Solche Begegnungen tragen dazu bei, Berührungsängste abzubauen und für die Lebensrealität der Menschen zu sensibilisieren.“
Landarztversorgung hautnah kennenlernen
Neben den fachlichen Einblicken lernen die Studierenden auch die Region und ihre Besonderheiten kennen. Damit verfolgt die IPW einen weiteren wichtigen Ansatz: Sie soll nicht nur für die ärztliche Tätigkeit auf dem Land interessieren, sondern auch zeigen, welche beruflichen und persönlichen Perspektiven der Lahn-Dill-Kreis bietet.
Der Bedarf an medizinischem Nachwuchs ist insbesondere in ländlichen Regionen weiterhin hoch. Viele Hausärztinnen und Hausärzte werden in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden.
„Der Handlungsdruck in der hausärztlichen Versorgung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Das Durchschnittsalter der Hausärztinnen und Hausärzte steigt weiter an, und bis 2040 rechnen wir mit einem Ausscheiden von bis zu 69 Prozent. Gerade in den nördlichen Gemeinden des Kreises ist der Versorgungsdruck hoch. Deshalb ist dieses Gemeinschaftsprojekt eine tolle Möglichkeit, um Medizinstudierende frühzeitig mit den Möglichkeiten und der Tätigkeit in unserer Region vertraut zu machen“, erklärt Anna Marx vom Arztnetz für die Region Lahn-Dill (ANR Lahn-Dill e.V.).
Austausch und Reflexion gehören zum Konzept
Die IPW verbindet praktische Erfahrungen mit fachlicher Reflexion. Die Studierenden können ihre Erlebnisse und Beobachtungen mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren aus dem Gesundheitswesen diskutieren. Auch die Universität begleitet die Projektwoche und bindet die Erfahrungen in den Studienkontext ein.
Bei der Abschlussveranstaltung haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, ihre Eindrücke gemeinsam mit den beteiligten Einrichtungen und Berufsgruppen zu reflektieren. Die Erfahrungen aus den Hospitationen werden anschließend auch im Rahmen des Studiums aufgegriffen.
Erfolgreiches Projekt wird fortgesetzt
Mit der dritten Interprofessionellen Woche setzt der Lahn-Dill-Kreis gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern die erfolgreiche Reihe fort. Bereits die erste IPW im September 2025 und die zweite Projektwoche im März 2026 stießen bei den teilnehmenden Studierenden auf positive Resonanz. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Der direkte Kontakt mit den Einrichtungen und den dort tätigen Menschen vermittelt einen authentischen Eindruck davon, wie Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum funktioniert. Gleichzeitig entstehen Kontakte zwischen Studierenden, Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren Gesundheitsberufen, die über die Projektwoche hinaus wirken können.