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Der Lahn-Dill-Kreis informiert: Eine eigene Gießerei, rund eine Million mögliche Produktvarianten und Pumpen, die in einem Großteil der öffentlichen Schwimmbäder in Deutschland zum Einsatz kommen: Die Herborner Pumpentechnik GmbH & Co KG ist ein Unternehmen mit ungewöhnlich hoher Fertigungstiefe. Wie der Traditionsbetrieb damit auf Lieferengpässe, steigende Energieanforderungen und den technologischen Wandel reagiert, hat sich die Wirtschaftsdelegation um Landrat Carsten Braun jetzt am Unternehmenssitz in Herborn angesehen.
Geschäftsführer Wolfram Kuhn und seine Tochter Svenja Walter, Leiterin Export & Finanzen, gaben den Gästen Einblicke in Produktion, Märkte und die Zukunftspläne des Unternehmens. Rund 150 Beschäftigte arbeiten heute für die Firma, die 1874 von Johann Heinrich Hoffmann gegründet wurde. Neben Herborn gibt es Standorte in Landsberg/Saale und im texanischen Dallas.
Was den Betrieb besonders macht, ist die Fertigungstiefe. Ein großer Teil der benötigten Komponenten entsteht im eigenen Haus, einschließlich des Gusses. Das kostet zwar Aufwand, macht das Unternehmen aber unabhängiger von externen Lieferanten.
„Unsere hohe Fertigungstiefe ermöglicht uns, flexibel auf Kundenanforderungen zu reagieren und einen großen Teil der Wertschöpfung selbst abzubilden“, sagt Wolfram Kuhn. Gerade in Zeiten unsicherer Lieferketten zahle sich das aus: „Wir sind dadurch deutlich unabhängiger von Lieferengpässen und können schneller eigene Lösungen finden.“
Vom Schwimmbad bis zum Schiff
Die Pumpen aus Herborn kommen in ganz unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz. Sie bewegen Wasser in Schwimmbädern und Kläranlagen, werden in industriellen Anlagen eingesetzt und arbeiten auch auf Schiffen. Durch unterschiedliche Bauformen und Materialien lässt sich das Angebot nach Unternehmensangaben zu rund einer Million verschiedenen Konfigurationen kombinieren. Besonders stark ist die Marke in öffentlichen Schwimmbädern vertreten. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten rund 85 Prozent der öffentlichen Bäder in Deutschland und etwa 70 Prozent in Europa mit Pumpen aus Herborn.
Dabei geht es längst nicht mehr allein darum, dass eine Pumpe zuverlässig läuft. Sie soll möglichst wenig Energie verbrauchen. „Gerade bei Schwimmbädern spielt der Energieverbrauch eine entscheidende Rolle. Deshalb haben wir unsere Pumpentechnik konsequent auf hohe Effizienz ausgerichtet“, erklärt Kuhn.
KI soll Fehler erkennen
Dass Digitalisierung auch vor einer traditionsreichen Pumpenfabrik nicht haltmacht, zeigt ein Blick in die aktuellen Entwicklungsprojekte. Mit eThemis hat das Unternehmen ein digitales Betriebstagebuch für Schwimmbäder entwickelt. Es soll Betriebsabläufe vereinfachen und mehr Transparenz schaffen. Auch Künstliche Intelligenz wird bereits eingesetzt. Unter anderem hilft sie dabei, Fehler in Stücklisten zu erkennen. Künftig soll KI auch bei der Kapazitätsplanung und im Versand zum Einsatz kommen. Eine intelligente Kamera soll beispielsweise überprüfen, ob ein Produkt vollständig und sicher verpackt wurde.
„Wir schauen sehr konkret darauf, wo Digitalisierung und KI tatsächlich einen Mehrwert schaffen“, sagt Svenja Walter. Es gehe nicht um Technologie um ihrer selbst willen. „Entscheidend ist für uns, Abläufe effizienter und sicherer zu gestalten und gleichzeitig unsere Beschäftigten sinnvoll zu unterstützen.“
Strom vom eigenen Dach
Auch beim Thema Energie setzt das Unternehmen auf Eigenständigkeit. Photovoltaikanlagen liefern Strom für die Produktion. Bei ausreichender Sonneneinstrahlung kann nach Unternehmensangaben sogar die Gießerei vollständig mit selbst erzeugtem Solarstrom betrieben werden. Die Fahrzeugflotte wird derzeit auf Elektroantriebe umgestellt. Zudem läuft ein Projekt zur Wasserstofferzeugung.
Nicht nur bei der Technik, auch beim Nachwuchs sieht sich der Betrieb gut aufgestellt. Die Zahl der Bewerbungen habe sich positiv entwickelt, offene Stellen könnten besetzt werden. Zwölf junge Menschen werden derzeit ausgebildet. Mit seinem Social-Media-Marketing macht das Unternehmen zudem gezielt auf Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten aufmerksam.
Für Prof. Dr. Harald Danne, Leiter des Geschäftsbereichs Transformation und strategische Entwicklung beim Lahn-Dill-Kreis, zeigt der Besuch, welche Faktoren für die Zukunftsfähigkeit eines mittelständischen Unternehmens entscheidend sein können. „Herborner Pumpentechnik zeigt, wie klassische industrielle Stärke mit Digitalisierung, Energieeffizienz und neuen Technologien verbunden werden kann. Gerade diese Kombination stärkt die Zukunftsfähigkeit und Resilienz unseres Wirtschaftsstandortes.“
Auch Landrat Carsten Braun sieht in dem Unternehmen ein Beispiel für die Stärke des heimischen Mittelstands. „Hohe Fertigungskompetenz, internationale Marktpräsenz, Digitalisierung und nachhaltige Energieversorgung greifen hier ineinander“, sagte Braun.
Seit mehr als 150 Jahren werden in Herborn Pumpen gefertigt. Die Technik hat sich seit der Gründung des Unternehmens grundlegend verändert. Eines ist jedoch geblieben: Ein großer Teil der Wertschöpfung findet nach wie vor dort statt, wo das Unternehmen einst gegründet wurde – in Herborn.
Bild 185_1:v.l.n.r.: Landrat Carsten Braun, Svenja Walter (Leiterin Export & Finanzen), Wolfram Kuhn (GF und President of Herborner Pumps US), Bürgermeister Lukas Winkler, Alexander Cunz (stv. Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill), Jessica Schaf (Wirtschaftsförderung Lahn-Dill-Kreis) und Herr Prof. Dr. Danne Foto: Philip Gerhardt