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Wenn er vor der Schreibmaschine saß, war er in seinem Element: Walter Schwahn war einer der bekanntesten Herborner. Seit mittlerweile 37 Jahren ist der Schriftsteller tot – doch sein Werk lebt weiter. Jetzt setzt die „KulturScheune“ (KuSch) dem Ehrenbürger wieder ein Denkmal. In diesem Jahr widmen die Schauspieler ihre Sommer-Produktion dem Mann, dem sie besonders eng verbunden sind. Die Premiere steht am Freitag, 21. August, ab 20 Uhr an.
„Das ist etwas Besonderes. Das Stück ist jetzt 29 Jahre nicht mehr aufgeführt worden. Es ist zeitlos“, sagt Jörg Michael Simmer, der Vorsitzende des Vereins. 1997 erlebten die Besucher im Hof der Hohen Schule zum letzten Mal die tragische Geschichte, die Anfang des 17. Jahrhunderts spielt und sich um die Zeit der Pest dreht. Das Theaterstück des Sommerensembles sei „alles, nur keine Komödie“, aber eben auch ein bedeutendes Kapitel der Stadtgeschichte.
Fünfmal war „Tod und Leben“ bisher zu sehen: 1963 (noch unter dem Titel „Die Pest“) – und dann 1975, 1984, 1991 und 1997. Stets spielte das Stück im Hof der Hohen Schule. Dass es nun erstmals auf der Bühne der „KuSch“ gezeigt wird, ist neu. Auch die letzte Schwahn-Aufführung ist schon eine ganze Weile her: Vor 18 Jahren war die „Barbara“ an der Reihe. „Es lohnt sich, zu kommen. ,Tod und Leben’ spielt in Herborn, es geht um die Auswirkungen auf die Stadt. Aber es geht vor allem um eines: die Bedeutung der Menschlichkeit.“
Schwahn spielt für die „KuSch“ eine wichtige Rolle. Sogar in der Satzung des Vereins „KulturScheune Herborn“ steht das: Eine Aufgabe sei, „das kulturelle Erbe der Theaterstücke von Walter Schwahn durch öffentliche Aufführungen für zukünftige Generationen erfahrbar zu machen“.
Für „Tod und Leben“ haben Albert Follert und Adelheid Simmer die Regie übernommen. Seit Mai sind wöchentlich zwei Proben angesetzt. An Bord sind altgediente, aber auch jüngere Heimatspieler, die Spanne geht von 14 bis 85 Jahren. Historische Kostüme kommen auch zum Einsatz. Kreativ ist die Figur des Stadtschreibers: Per Video wird er vor jedem Akt gezeigt. Gedreht wurden die Szenen in der Schlossbibliothek, in der Kirche, in der Hohen Schule und im Rathaus.
In Absprache mit Schwahns Erben sei das Stück „behutsam modernisiert“ worden, erzählt Jörg Michael Simmer. So gibt es sprachlich die eine oder andere Veränderung: Worte wie „Erschröcklichkeiten“ fallen zum Beispiel raus.
„Tod und Leben“ spielt im Jahr 1635. Als Herborn schwer von der Pest getroffen wird, ist es den Studenten verboten, sich zum einfachen Volk zu begeben. Doch ein Medizinstudent, Meinrad Hofstetten, widersetzt sich und versucht zu helfen.
Daraufhin wird er vom Lehrbetrieb ausgeschlossen – gegen den Widerstand des Theologieprofessors und Pfarrers Johannes Irlen. Er stellt sich offen gegen seine Professorenkollegen und nimmt sich den Bedürftigen an. Unterstützt wird er von einem Teil der Studenten, der sich nicht zu schade ist, „durch die Gassen zu gehen, wo der Dreck sich häuft“.
Herborns früherer Stadtarchivar Rüdiger Störkel sprach einmal vom Schwahn-Stück mit der höchsten Intensität. Vor allem die Konflikte und Widersprüche dominieren „Tod und Leben“ – zwischen Nächstenliebe, Vernunft und Gesetzestreue. Es sind Themen, die sich auch auf heute übertragen lassen. Reale Figuren und Begebenheiten vermischt Schwahn mit dichterischer Fantasie.
Eine dieser historischen Personen ist Irlen. Schriften von ihm unterstreichen, wie dramatisch die Zeit war. Auf dem Höhepunkt der Seuche fielen ihr in Herborn bis zu 40 Menschen wöchentlich zum Opfer. Die „Große Pest“ von 1607 hatte noch schlimmere Folgen. Trotz allem sicherte Professor Irlen auch die Zukunft der Hohen Schule, in der von Ende 1634 bis Mitte 1638 nur acht Studenten eingeschrieben waren.
Simmer hofft, dass viele die Chance nutzen, das Schwahn-Werk im Theater zu erleben. Es gehe auch darum, die Erinnerung an einen großen Herborner aufrechtzuerhalten.
Die Premiere von „Tod und Leben“ steht am Freitag, 21. August, um 20 Uhr in der „KuSch“ an. Weitere Termine sind, jeweils zur gleichen Uhrzeit, Samstag, 22. August, sowie Mittwoch, 26. August, Freitag, 28. August, und Samstag, 29. August. Tickets gibt es im Vorverkauf ab 16 Euro (ermäßigt: 11 Euro) bei Optik Tafelski, im Reisebüro Herborn oder im Stadtmarketing-Büro sowie unter www.kusch-herborn.de.
(Foto Hohe Schule: Hans-Dieter Wieden; Foto Walter Schwahn: Franz Krämer)