Wie der Champagner zum „Wein der Könige" wurde

Wie der Champagner zum „Wein der Könige" wurde

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    Frankreichkenner und Vereinsmitglied Paul-Wilhelm Janssen referiert: Vortrag des Pertuisvereins „Prickelnde Champagner Geschichte(n)“

    Beim Vortrag „Prickelnde Champagner Geschichte(n)“ von Frankreichkenner und Vereinsmitglied Paul-Wilhelm Janssen tauchte der Verein der Freunde von Pertuis in die Geschichte des Champagners ein. Der Siegeszug dieses Weins ist eng mit der Geschichte Frankreichs verbunden. Bereits mit den Römern kam der Weinbau in die Region. Sie fanden hier nicht nur fruchtbare Böden vor, sondern profitierten auch von der Geologie. Sie nutzten die immensen Kreidevorkommen unter Reims und Épernay, die teils bis zu 150 Meter in den Boden hinabreichten, einerseits für ihre monumentalen Bauprojekte und andererseits für die Lagerung von Wein. Diese Kreidestein-Gruben (franz. Crayères) und Gänge werden bis heute auf die gleiche Weise genutzt.

    Im Jahr 496 wurde der erste Frankenkönig Chlodwig in Reims getauft. Später ließen sich fast alle französischen Könige in der Kathedrale von Reims krönen. Die großen Krönungsfeierlichkeiten brachten Könige, Adel und kirchliche Würdenträger zusammen – und natürlich wurde dabei der Wein der Region ausgeschenkt. So wurde der Wein aus der Champagne, der zunächst still und später schäumend beziehungsweise prickelnd war, zum „Wein der Könige“.

    Bei seiner Entwicklung spielte die Kirche eine wichtige Rolle. Klöster und Bistümer besaßen zahlreiche Weinberge und entwickelten über Jahrhunderte hinweg das Wissen um den Anbau, das Keltern und die Weinherstellung.  In diesem Zusammenhang taucht immer wieder der Name des Benediktinermönches Dom Perignon auf. Er fand heraus, dass durch das Mischen von unterschiedlichen Rebsorten besonders ausgewogene Weine, französisch Cru, entstehen. Auch die Methode des „Weißkeltern“, bei der aus roten Trauben ein weißer Wein entstehen, geht auf ihn zurück. Die Lage der Champagne an wichtigen Handelswegen trug bereits im Mittelalter dazu bei, dass der Wein weit über die Region hinaus bekannt wurde.

    Doch die ersten Champagner waren eigentlich „Teufelsweine“ (franz. vin du diable) da man noch nicht gelernt hatte, den im Wein befindlichen Restzucker und die Hefe zu kontrollieren. Dadurch explodierten die Flaschen aufgrund des bei der Gärung entstehenden Drucks regelmäßig. Um 1685 tauchte in der Champagne erstmals der Korkverschluss auf. Auch machte die Glasindustrie große Fortschritte: Eine aus dickerem Glas bestehende Champagnerflasche wurde entwickelt. Diese widerstandsfähigeren Flaschen, die bis dahin nur zum Servieren des Weins verwendet worden waren, konnten nun auch für seine Aufbewahrung genutzt werden. Zudem lernte man auch die Rückstände der abgestorbenen Hefe aus den Flaschen zu entfernen.

    Wie eine mutige Witwe und eine deutsch-französische Geschichte ihm zum Weltruhm verhalfen

    Das feine Prickeln begeisterte inbesondere den französischen und europäischen Adel. Champagner wurde damit nicht nur zu einem besonderen Genuss und einem Symbol für Luxus, gesellschaftlichen Rang und Lebensfreude. Dies inspirierte auch Wilhelm Busch in seiner Geschichte von der „frommen Helene“: „Wie lieb und luftig perlt die Blase, der Witwe Klicko im den Glase“

    Genau in die Zeit des Aufstiegs des Schaumweins fällt die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau: Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin (1777-1866). Als junge Witwe übernahm sie im Jahr 1806 das Champagnerhaus ihres verstorbenen Mannes François und machte daraus eine der bekanntesten Marken der Welt – Veuve Clicquot. Ihre Geschichte ist die Geschichte einer Frau, die in einer von Männern dominierten Geschäftswelt neue Wege ging – und die entscheidend dazu beitrug, dass Champagner zu dem wurde, was wir heute damit verbinden.

    Nur ihr Status als Witwe privilegierte sie gemäß Napoleons „Code civil“, das Unternehmen ihres verstorbenen Mannes fortzuführen und weiterzuentwickeln. Dafür schloss sie sich im Februar 1806 für vier Jahre mit dem renommierten Reimser Weinproduzenten Alexandre Fourneaux zusammen. Zum Erfolg des Unternehmens trug auch der deutsche Handelsvertreter Ludwig Bohne bei, der bereits vor dem Tod François Clicquots, größere Weinlieferaufträge in Russland abgeschlossen hatte. Die Napoleonischen Kriege und die verhängte Kontinentalsperre brachten die Handelsbeziehungen zu den Adelshäusern Europas fast zum Erliegen und stellten die Champagnerproduzenten vor erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Während das Weinhaus im Jahr 1809 noch 40.000 Flaschen verkaufte, waren es 1813 nur noch 14.000 Flaschen.

    Es ist ihrem Mitarbeiter, Kellermeister und gebürtigen Schwaben Anton von Müller zu verdanken, dass der Champagner seine Trübung verlor. Er erfand um 1813 gemeinsam mit Veuve Clicquot das mechanische Rüttelverfahren, mit dem die Hefe beseitigt wurde, die den Flascheninhalt zuvor getrübt hatte. Nach einer Zeit der Herausforderungen gelang es Veuve Cliquot getreu ihrem Motto „Es gibt nur eine Qualität, und zwar die beste“, mithilfe des Handelsreisenden Ludwig Bohne im Jahr 1814 30.000 Flaschen des Schaumweins über Königsberg in Preußen nach St. Petersburg zu verschiffen. Ein weiterer Deutscher, Eduard Werle, gebürtig aus Wetzlar, spielte eine wichtige Rolle beim Erfolg der Marke Veuve Clicqout. Er arbeitete sich vom Kellergehilfen im Jahr 1821, zum Kellermeister, Prokuristen und persönlichen Berater hoch und wurde nur zehn Jahr später Teilhaber und im Jahr 1841 offizieller Leiter des Weinhauses. Dieser rasante Aufstieg war sicher auch seinem Verkaufstalent geschuldet, schaffte er es doch, den Jahresverkauf des Weinhauses zwischen 1831 und 1841 mehr als zu verdoppeln, wobei etwa zwei Drittel der Produktion nach Russland gingen. Als Richtschnur für den Erfolg diente seinerzeit sicher auch der Ausspruch der Witwe Clicquot: „Die Welt ist in ständiger Bewegung. Wir müssen heute die Dinge für morgen erfinden.“