Ein alter Tresor, viele Fragen – und überraschende Funde
Tresor aus altem Rathaus Seelbach geöffnet
Beim Ausräumen des ehemaligen Rathauses im Herborner Stadtteil Seelbach stieß die Stadt auf ein besonderes Relikt: einen großen alten Tresor. Der Tresor, etwa 1,50 Meter hoch und mehrere hundert Kilogramm schwer, stand Jahrzehnte verschlossen und unbeachtet im ersten Stock. Der Schlüssel galt schon seit rund 50 Jahren als verschwunden. Niemand wusste, was sich im Inneren verbarg. Die Stadt Herborn entschied deshalb, mit dem Verkauf des Gebäudes, den Tresor ausbauen und von Fachleuten öffnen zu lassen. Nur wenige Meter vom alten Rathaus entfernt machte sich ein Mitarbeiter der Firma Müller Safe an die Arbeit. Mit viel Geduld, Winkelschleifer, Hammer und Brecheisen - und wo das nicht ausreichte, auch mit den Zinken eines Gabelstaplers - kämpfte er sich durch das dicke Metall.
Ein Tresor mit „doppeltem Boden“ - Papiere, Kurioses und Bargeld
Bei der Öffnung des Tresores, im Beisein des Bürgermeisters Lukas Winkler, Vertretern der Stadtverwaltung und der heimischen Presse, stellte man fest, dass er aus zwei Teilen besteht. Einem kleineren Fach im unteren Bereich und einem größeren Fach, das zum Schutz vor Feuer mit Schamottsteinen ausgekleidet ist. Erst gelang es, das untere Fach zu öffnen. Darin lagen vor allem alte Unterlagen: Kontoauszüge, Formulare für Führungszeugnisse und zahlreiche Papiere aus vergangenen Jahrzehnten. Auch ein Beutel mit Münzen kam zum Vorschein. Doch leider entpuppte sich der vermeintliche Schatz als Münzen, die früher als Eintrittsmarken für das frühere Seelbacher Hallenbad dienten. Das Bad war zwischen 1974 und 1982 in Betrieb.
Der obere und größere Teil des Tresors war deutlich stabiler gebaut. Dicke Stahlplatten und eine Auskleidung aus Schamottsteinen machten das Öffnen schwieriger. Mithilfe eines Gabelstaplers gelang es schließlich das Schloss aufzubrechen. Auch hier fanden sich erneut viele Dokumente: alte Kontobücher, Postkartenschecks, Briefmarken, Stimmzettel und Unterlagen, teilweise sogar aus den 1930er-Jahren. Außerdem tauchten mehrere Zigarrenkisten auf. Darin lagen unter anderem Gutscheine für Tabakwaren sowie Bilder.
Ein bisschen Gold – und altes Geld
Zwar kein Gold, aber ein kleiner Geldschatz war ein weiterer überraschender Fund. In einem Umschlag fand man ein Bündel alter 100-D-Mark-Scheine. Insgesamt waren darin 4.000 D-Mark, was heute umgerechnet einem Wert von rund 2.000 Euro entspricht und weiterhin bei der Deutschen Bundesbank umgetauscht werden kann. Zwischen den Fundstücken entdeckte man auch ein Schmuckstück: ein filigranes goldenes Armband mit der Gravur „Chris“. Ein alter Fundzettel zeigt, dass das Armband bereits 1968 in Herbornseelbach gefunden wurde.
Die zahlreichen Dokumente und Gegenstände aus dem Tresor werden nun gesichtet und ausgewertet. Unterstützung hat sich der geschichtsinteressierte Bürgermeister Lukas Winkler von zwei Seelbachern eingeholt, gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeister Hans Benner und dem ehemaligen Gemeindemitarbeiter Oswald Benner, wollen sie die gefundenen Unterlagen und historischen Kuriositäten sichten. Sie geben spannende Einblicke in die Verwaltung und den Alltag der früher selbstständigen Gemeinde Seelbach. Im Anschluss kommt was archivwürdig ist ins städtische Archiv. Vielleicht finden sich in den Unterlagen noch weitere kleine Geschichten aus der neueren Stadtgeschichte.